Schöner schenken

Sie heißen Little Homes, messen nur ca. H 1,9 x B 1,20 x L 3,2 Meter und haben im Inneren eine Matratze, ein Regal, ein Erste-Hilfe-Set, Feuerlöscher, eine kleine Arbeitsfläche mit einem Waschbecken und der Möglichkeit zu kochen, sowie eine Campingtoilette. Die kleinen Wohnboxen aus Holz, die das Team von Little Home für Obdachlose baut und verschenkt, sorgen inzwischen weit über die Stadtgrenzen Kölns hinaus für Furore. Alles begann mit einem TV-Beitrag, den Fotograf Sven Lüdecke aus Köln in der Sendung „Galileo“ sah: Darin wurde die Geschichte des kalifornischen Innenarchitekten Gregory Kloehn erzählt, der mit einer Kunstaktion ein Zeichen gegen Armut und Obdachlosigkeit setzen wollte. Sein Projekt: einzig aus Materialien, die er auf dem Sperrmüll sammelt, baut er kleine Wohnboxen für Menschen, die auf der Straße leben und schlafen. Das Ergebnis sind kunstvolle kleine Holzhäuser, die Obdachlosen einen Schlafplatz und ein Dach über dem Kopf bieten. Einen abschließbaren Ort, an dem sie sich und ihre wenigen Habseligkeiten trocken unterbringen und im Idealfall ein Stück weit zur Ruhe finden können. Was als Kunstaktion begann, ist inzwischen weit mehr als das. Sven Lüdecke, zu dessen Hobbies das Schreinern gehört, war von der Idee begeistert. Seine Vision: solche Holzhäuschen in Köln zu bauen und an Obdachlose zu verschenken. Gedacht, gesagt, getan. Im September legte er los, besorgte sich auf eigene Kosten Materialien im Baumarkt, sägte, hämmerte, schraubte. Am Ende war das erste Häuschen fertig. Verschenkt hat er es an eine junge obdachlose Frau, die er während einer seiner Arbeitsreisen als Fotograf am Kölner Bahnhof kennengelernt hatte. Die Wohnbox auf Rollen ist seit vielen Jahren ihr erstes „Zuhause“. Nur 3,2 Quadratmeter, die ihr die Welt bedeuten. Die Warteliste für weitere Boxen ist lang. Bis heute haben wir, das Team von Little Home, ein immer größer werdendes Netzwerk mit freiwilligen Helfe. Bis heute konnten daher bereits 62 Mini-Häuser in Köln, Berlin, Hamburg, Bonn, Frankfurt am Main, Hamm, Nürnberg und Bernau bei Berlin fertig gestellt und verschenkt werden. Und es geht weiter, so ist z.B. die Expansion in weitere Städte wie ,Hannover, Leipzig und München geplant.

FAQ an Little Home:

1. Wie hoch sind die Kosten pro Haus?

Die Kosten pro Haus belaufen sich auf ca. 1050 Euro zzgl. Transportkosten. Die Little Homes sind jeweils auf 4 Europaletten aufgebaut. Hinzu kommen druckimprägnierte Spanplatten, Leisten, Dämmmaterial, Dachpappe, Inneneinrichtung wie z.B. Feuerlöscher und natürlich der Transport. Allein der kostet zwischen 300 und 450 Euro. Die Arbeitszeit ist da natürlich nicht berücksichtigt.

2. Wie finanziert sich das Projekt?

Die ersten beiden Häuser hat Sven selbst aus privaten Mitteln finanziert. Inzwischen haben sich sehr viele Menschen gefunden, die mit Herz, Engagement und auch mit Geld ihre Unterstützung angeboten haben. Die einen unterstützen uns mit ihrer Zeit und Kraft, indem sie Wohnboxen bauen. Darunter auch die Obdachlosen, deren Häuser wir gerade zimmern. Andere spenden Bettwäsche, Matratzen, Baumaterialien, den Transport der Boxen oder auch warme Speisen für die Helfer. Um transparent zu bleiben und Spendenquittungen ausstellen zu können, sind wir derzeit mit juristischer Unterstützung dabei, den Verein „Little Home Köln e.V.“ zu gründen.

3. Habt ihr eine politische Intention?

Nein, eine politische Aktion ist die Initiative nicht. Wir möchten schlichtweg helfen. Und der schönste Augenblick ist es, wenn wieder jemand den Schlüssel für sein neues Zuhause bekommt hat. Der Blick in die leuchtenden Augen macht alle einfach nur glücklich.

4. Wer arbeitet an dem Projekt mit? Wie ist die Resonanz?

Das Team der Unterstützer ist bunt wie die Stadt Köln selbst. Studenten, Unternehmer, Rentner, alle Nationalitäten. Jeder hilft, wie er kann und möchte. Alles kann, nichts muss. Nur eines gibt es nicht: Rechtes Gedankengut hat bei uns keinen Platz.

5. Welche Kriterien gelten für Vergabe der Häuser?

Wichtig ist mir, dass bei diesen Menschen keine Alkohol- oder Drogensucht vorliegt, wobei ich das natürlich nie gänzlich ausschließen kann. Aber wir versuchen bei der Entscheidung über die Vergabe, ein Auge darauf zu haben. Offene Strafakten sind ebenfalls ein Ausschlusskriterium. Und dann geht es nach Dringlichkeit. Wer hat besonderen Bedarf? Und wer eine Grundmotivation, ein solches Häuschen als eine Art „Startrampe“ für ein neues, selbstständiges Leben zu nutzen? Ein Little Home ist ja keine Villa. Es soll lediglich ein Platz sein, an dem die Menschen ein wenig vor Nässe und Kälte geschützt sind. An dem sie ihre Habseligkeiten trocken und halbwegs sicher lagern können, ohne die ständige Angst, dass sie bestohlen oder bedroht werden. Wir sehen das als eine Art „Pflaster für die Seele“: Vielleicht gelingt es ja der/dem einen oder anderen, dort zur Ruhe zu kommen und Kraft zu schöpfen, das Leben wieder richtig in die Hand zu nehmen und letztlich wieder für sich selbst zu sorgen.

6. Welche Reaktion gibt es von den Beschenkten?

Sie sind einfach unbeschreiblich glücklich und dankbar. Oft rollen Tränen, sie sind tief bewegt.

7. Wo dürfen die Häuser aufgebaut werden?

Grundsätzlich dürfen die Häuser nur auf Privatgelände stehen. Dennoch müssen sie innerhalb von 90 Tagen um mind. 100 Meter verrückbar sein. Daher haben wir extra Rollen unter die Boxen gebaut, damit sie beweglich bleiben. Allein so können wir umgehen, dass wir für die Little Homes Baugenehmigungen brauchen. Doch klar ist: Wir bauen die Häuser nur und verschenken sie. Wo sie dann stehen, ist nicht mehr unsere Sache.

8. Wie sehen die Pläne für 2018 aus? Wie viele Häuser sind in Planung?

Es haben sich Architekten gemeldet, die ehrenamtlich Baupläne für Little Homes erstellen. Diese Pläne stellen wir auf unsere Website, damit das Projekt auch in anderen Städten multiplizierbar wird. Es geht uns vor allem um die Idee und darum, dass möglichst viele Obdachlose eine zweite Chance bekommen.  

9. Medien aus aller Welt berichten über euch. Wie fühlt es sich an, dass das Projekt derart durch die Decke geht?

Wir sind wirklich überwältigt über die Resonanz. Damit hätten wir im Leben nicht gerechnet. Zumal es zunächst gar nicht Svens Ziel war, das Ganze bekannt zu machen. Ein Journalist hatte irgendwie Wind von der Sache bekommen. Mit einem Zeitungsartikel im Kölner Stadtanzeiger fing es dann an. Seitdem wurde sowohl im chinesischen Staatsfernsehen über uns berichtet, als auch bei den regionalen und überregionalen Zeitungen, Radiosendern und im Fernsehen. Von kurzen Beiträgen über Berichte in den Nachrichtensendungen bis hin zu ganzen Sendungen waren alle Formate vertreten.

10. Und wie erklärt ihr euch das riesige Interesse?

Wir denken, dass es einerseits das Unmittelbare, Lebensnahe ist, das die Menschen interessiert. Dieses „Helfen wollen – und einfach machen“. Jegliche Hilfe fließt 1:1 in die Sache selbst. Alle arbeiten aus privatem Engagement und Spaß, packen zusammen an und schaffen etwas. Wir entscheiden und sehen selbst, wer welches Haus bekommt und was dann mit den Menschen passiert. Es ist so sinnstiftend, und das spüren alle. .

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