Reinickendorf.  Die Geschichte von Daniel Reichert klingt fast wie ein Märchen. Von der Familie verstoßen, lebte fünf Jahre auf der Straße, ist in der Zeit dreimal bestohlen worden, musste immer wieder von vorne anfangen. Er hat sich aber nie aufgegeben und wird eines Tages dafür belohnt. Nämlich, als er an die richtigen Menschen gerät, die ihm ein „Little Home“ (übersetzt: Kleines Zuhause) vermitteln. Dort lebt er nicht lange. Daniel lernt Alex kennen, sie verlieben sich und leben heute in einer gemeinsamen Wohnung.

Doch erst einmal von vorn. Im März dieses Jahres wird das erste Litte Home in Reinickendorf in der Nähe des Schäfersees

eröffnet – sie sollen für Obdachlose ein Rückzugsort sein und einen Schritt zurück ins Leben ermöglichen. Daniel Reichert ist derjenige, der es beziehen darf. „Ich kann es immer noch nicht fassen, dass das mein neues Zuhause ist“, sagte der 31 Jährige damals.

Selbstmordgedanken plagten ihn

Viel hatte der gebürtige Bremer in seinem Leben schon durchmachen müssen, ist in Heimen und bei etlichen Pflegefamilien aufgewachsen, bevor er zu seiner leiblichen Mutter ziehen konnte, wo er dann von seinem Stiefvater sexuell missbraucht wurde. „Ich hatte oft Selbstmordgedanken“, sagte Daniel nachdenklich, „und so bin ich auf der Straße gelandet.“

Vom Staat abhängig sein wollte er nie, lebte lieber auf der Straße, bettelte. Umso mehr freute er sich über das Engagement Norbert Raeders (parteilos, für CDU), der es schaffte, etliche Politiker zu überzeugen, das deutschlandweite Projekt auch in Reinickendorf zu etablieren.

Nach langer Zeit wieder ein Zuhause

Auf den drei Quadratmetern fühlte er sich nach langer Zeit wieder Zuhause, konnte sein weniges Hab und Gut wegschließen. „Ich musste keine Angst mehr haben, bestohlen zu werden“, sagte Daniel. Wesentlich wichtiger: Er konnte wieder schlafen. Die Resonanz der Reinickendorfer war enorm, er hat Sach- und Geldspenden bekommen, um sein Leben aufzubauen. Denn viel hatte er zu dem Zeitpunkt nicht – ein paar Kleidungsstücke, Geschirr und Bücher konnte er sein Eigen nennen.

Liebe auf den ersten Blick am Alexanderplatz

Daniel Reichert ist jemand, der trotz vieler Schicksalsschläge nie aufgegeben hat. Er hat immer versucht, zurück ins Leben zu kommen. Er ist herzlich, offen und lebensfroh. Er weiß, was er will und tut alles dafür. So wie für die Beziehung mit seinem Alex. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt er mit strahlenden Augen. „Ich war an meinem Schnorrplatz am Alex. Da habe ich ihn in der Menge gesehen und wusste: Der ist es.“ Er fasst seinen Mut zusammen, geht zu ihm hin. Sie unterhalten sich, treffen sich öfter und verlieben sich ineinander. Es scheint so, als sei es Schicksal – Daniel lernt seinen Alex am Alexanderplatz kennen.

Möbel vom Sperrmüll – für mehr reicht es noch nicht

„Kurze Zeit später haben wir entschieden, dass ich zu ihm ziehe, damit jemand anderes in das Little Home ziehen kann und nicht mehr auf der Straße schlafen muss“, sagt Daniel Reichert. Jetzt wohnt er in Friedrichshain in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Viel mehr als ein paar Kleidungsstücke hat er dort auch nicht, denn auch Alex Bresin kommt finanziell so gerade eben über die Runden, hatte etliche Monate keinen Strom und somit weder Kühlschrank noch Waschmaschine. Und auch Möbel können sie sich noch nicht leisten. „Das Sofa haben wir vom Sperrmüll. Es sieht aber noch gut aus“, sagt Alex.

Verein „Berliner Helfen“ unterstützt finanziell

Umso mehr freuen sich die beiden über die finanzielle Spende in Höhe von 200 Euro des Vereins „Berliner Helfen“, der im Jahr 2000 von der Berliner Morgenpost gegründet wurde und seit dem Menschen hilft, die zum Beispiel durch einen Unfall oder ein Verbrechen plötzlich unverschuldet in Not geraten sind, wenn die Leistungen vom Staat, Krankenkassen oder Versicherungen nicht ausreichen. Auch Obdachlose werden regelmäßig unterstützt. „Das ist wirklich toll und hilft uns sehr“, freuen sich die beiden. „Wer Kleidung oder Möbel abgeben möchte, kann sich gerne melden“, sagt Daniel.

Auf der Suche nach einer festen Arbeit

So sehr sich Daniel Reichert über das Leben in einer Wohnung mit Balkon freut, ausruhen kommt für den 31 Jährigen nicht in Frage. „Ich möchte arbeiten und Geld verdienen, damit wir endlich leben können“, sagt er. Zwar hat er immer mal kleine Jobs gehabt, wurde dort aber ausgenutzt, wie er sagt. „Ich habe eineinhalb Jahre in einer Malerfirma gearbeitet. Das kann ich und es macht mir Spaß.“ Daniel Reichert ist sich sicher, dass er auch das finanzielle Problem in naher Zukunft lösen kann. Mit seiner offenen und freundlichen Art schafft er das ganz bestimmt.

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